Bundesverdienstkreuz für Dr. Dr. Klaus Rötzscher †

Am 21.12.2007 wurde Herr Dr. med. Dr. med. dent. Klaus Rötzscher, Speyer, durch die rheinland-pfälzische Ministerin für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Familie und Frauen, Frau Malu Dreyer, in Mainz mit dem „Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland“ ausgezeichnet.

Dr. Dr. Klaus Rötzscher wurde am 25. Juli 1933 in Buchholz/Sachsen geboren. Im Anschluss an das Abitur in Annaberg studierte er in Leipzig Medizin und Zahnmedizin. Nach der in Jahre 1957 erfolgten Promotion zum „Dr. med.“ war er zunächst drei Jahre als praktischer Arzt im Landambulatorium Groitzsch, Kreis Borna bei Leipzig, tätig. Seine wissenschaftliche Ausbildung begann er im Bezirkskrankenhaus St. Georg, Leipzig, am Institut für Pathologie, wo er 1964 den Facharzt für allgemeine Pathologie erwarb. Seitdem arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent am Institut für Gerichtliche Medizin und Kriminalistik der Universität Leipzig. Dort erfolgte 1967 die Anerkennung als Facharzt für gerichtliche Medizin und 1968 -nach abgeschlossenem Zahnmedizinstudium- die Promotion zum „Dr. med. dent.“. In diesen Jahren spezialisierte er sich auf dem Gebiet der forensischen Stomatologie. Als Spezialist auf dem Gebiet der forensischen Zahnheilkunde nahm er 1968 an den Identifizierungsarbeiten bei dem Zugunglück in Langenweddingen (96 Todesopfer) und 1971 bei dem Flugzeugabsturz bei Königswusterhausen (156 Todesopfer) teil.

Nach seiner Übersiedlung in die Bundesrepublik war er von 1977 bis 1998 in Speyer/Rhein als Zahnarzt in eigener Praxis tätig. In dieser Zeit widmete er sich weiter mit großem Engagement der forensischen Odontostomatologie, wurde Mitglied des AKFOS, knüpfte erfolgreich internationale Kontakte. Er gilt im In- und Ausland als anerkannter Fachmann auf diesem Gebiet. In den Jahren 1990 bis 1993 war er Präsident der „International Organization for Forensic Odonto-Stomatology (IOFOS)“ und erhielt für die erfolgreiche Tätigkeit als Präsident 1994 die Verdienstmedaille der Landeszahnärztekammer Rheinland-Pfalz.

Seit 1998 ist Dr. Dr. Rötzscher 1. Vorsitzender des „Arbeitskreises Forensische Odonto-Stomatologie (AKFOS)“ der „Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde (DGZMK)“ und der „Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin (DGRM)“. Mit großem Eifer organisiert Dr. Dr. Rötzscher die jährliche wissenschaftliche Tagung des „Arbeitskreises Forensische Odonto-Stomatologie“ in der Universitätszahnklinik Mainz. Immer wieder gelingt es ihm hierzu nationale und internationale Kapazitäten der forensischen Zahnmedizin als Referenten zu gewinnen. Die Veranstaltung ist immer ein Anziehungspunkt für interessierte Kollegen.

2001 wurde er mit der HERMANN-EULER-MEDAILLE im Namen des Vorstandes der DGZMK für seine Aktivitäten auf dem Gebiet der Forensischen Zahnheilkunde im In- und Ausland ausgezeichnet. Dr. Dr. Rötzscher ist Ehrenmitglied der „Association Française d´Identification Odontologique (A.F.I.O.)“. Er ist verantwortlicher Redakteur des seit 1994 dreimal jährlich erscheinenden Newsletter des „Arbeitskreises Forensische Odonto-Stomatologie (AKFOS)“. Lehrbuchbeiträge sowie über 70 Veröffentlichungen in wissenschaftlichen Zeitschriften im In- und Ausland zeugen von reger wissenschaftlicher Arbeit. An den Universitäten Tübingen und Aachen hielt Klaus Rötzscher in den letzten Jahren Gastvorlesungen zum Thema „Forensische Zahnmedizin“, um die dortigen jungen Zahnmedizin-StudentInnen für dieses wichtige Teilgebiet der Zahnheilkunde zu sensibilisieren.

Herr Dr. Dr. Rötzscher ist Gründungs- und Vorstandsmitglied der „Arbeitsgemeinschaft für forensische Altersdiagnostik (AGFAD)“ der Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin. Er hat in den letzten Jahren maßgeblich an den Begutachtungsrichtlinien zur forensischen Altersschätzung mitgearbeitet. Herr Kollege Rötzscher hat als Vorsitzender des „Arbeitskreises Forensische Odonto-Stomatologie“ immer wieder großen Wert auf die wissenschaftliche Zusammenarbeit der „Deutschen Gesellschaft für Zahn-, Mund- und Kieferheilkunde“ mit der „Deutschen Gesellschaft für Rechtsmedizin“ gelegt. Als Krönung seiner wissenschaftlichen Verdienste erschien im Jahre 2000 im Springer Verlag Berlin Heidelberg das von Klaus Rötzscher verfasste Buch „Forensische Zahnmedizin“, dessen erste Auflage bereits nach kurzer Zeit vergriffen war.

Auf Grund seines großen Erfahrungsschatzes auf dem Gebiet der zahnärztlichen Identifizierungen ist Herr Dr. Dr. Klaus Rötzscher seit vielen Jahren Mitglied der Identifizierungskommission (IDKO) des Bundeskriminalamtes. Schon kurze Zeit nach Ausbruch des Tsunami in Südostasien vom zweiten Weihnachtstag 2004 wurde Herr Dr. Dr. Rötzscher durch das BKA nach Thailand entsandt. Insgesamt hielt sich Herr Dr. Dr. Rötzscher mehr als drei Monate im thailändischen Krisengebiet auf, um deutsche und internationale Flutopfer zu identifizieren. Bei tropischen Temperaturen mit extremer Hitze und Luftfeuchtigkeit arbeitete er täglich bis an die Grenzen seiner Physis und Psyche, um den Hinterbliebenen in ihren Heimatländern Gewissheit über das Schicksal ihrer Liebsten zu verschaffen. Dabei versäumte er es nicht gleichzeitig junge deutsche und internationale Zahnärztinnen und Zahnärzte auf dem Gebiet der Forensischen Zahnheilkunde weiterzubilden und sein unschätzbares Wissen an die junge Generation weiterzugeben. Auf Grund seines international hohen Ansehens und seiner jahrzehntelangen weltweiten beruflichen Kontakte auf dem Gebiet der Forensischen Odonto-Stomatologie war er an der Umsetzung einheitlicher Standards zur Identifizierung der unzähligen Flutopfer maßgeblich beteiligt. Seine in Thailand geleisteten Dienste verdienen Hochachtung und Wertschätzung. Sie gelten unter den nationalen und internationalen Zahnärztinnen und Zahnärzten als beispiellos und vorbildlich.

Herr Dr. Dr. Klaus Rötzscher wurde - gemeinsam mit 32 anderen Deutschen Zahnärztinnen und Zahnärzten, welche im Auftrag des Bundeskriminalamtes nach der Tsunami-Katastrophe in Thailand und Sri Lanka eingesetzt wurden - im Bundesgesundheitsministerium in Berlin im Oktober 2005 wegen der in Südostasien vollbrachten Leistungen mit der „Verdienstmedaille der Deutschen Zahnärzteschaft“ ausgezeichnet. Er erhielt im Jahr 2005 die Dankesurkunde für Einsatz bei der Identifizierung der Tsunami-Opfer durch den Bundesminister des Inneren sowie als externes Mitglied der IDKO den Medienpreis „Bambi 2005“ in der Kategorie „Engagement“, verliehen an die Identifizierungskommission des Bundeskriminalamtes.

Der Vorstand des „Arbeitskreises Forensische Odonto-Stomatologie (AKFOS)“ freut sich sehr über die durch die rheinland-pfälzische Ministerin Dreyer überreichte hohe Auszeichnung und gratuliert ihrem Vorsitzenden auf’s herzlichste.

Für den AKFOS-Vorstand:

C. Grundmann, Duisburg.